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Änderungen der Hirnstruktur in der Pubertät
23.10.2008
1. Das Gehirn als „Baustelle“ Auch auf der geistigen Ebene finden parallel zur körperlichen Entwicklung gravierende Veränderungen statt. Wann und in welcher Reihenfolge sie geschehen, ist genetisch festgelegt, wobei der geistige Entwicklungsprozess dem körperlichen verzögert nachfolgt. Physisch-optisch durchaus schon erwachsen anmutende Persönlichkeiten verfügen noch nicht über entsprechende kognitive Fähigkeiten. Zwar hat die Gehirnmasse bereits bei sechsjährigen Kindern ihre endgültige Größe zu 95% erreicht, doch erst ca. bis zum 20. Lebensjahr werden insbesondere die Wahrnehmungsfähigkeit, alle kognitiven Strukturen und die seelische Reife herausgebildet. Diese „Baustellensituationen“ im Kopf der Jugendlichen - und nicht so sehr die Geschlechtshormone - sind die Ursache dafür, warum jugendliches Verhalten öfter als merkwürdig oder unberechenbar erscheinen kann.
2. Veränderungen der Gehirnstruktur Vor allem um den 12. Geburtstag findet ein starkes Wachstum der Gehirnrinde statt. Die Anzahl der Verbindungen zwischen den Nervenzellen (=Synapsen) verändern sich: Wenig benutzte Funktionen gehen verloren, gut trainierte prägen sich aus, vor allem das Sprachvermögen. Alle intensiven geistigen Aktivitäten, auch musische und sportliche Interessen fördern diese Strukturbildung- auch „Pruning“ (=“Zurechtstutzen“) genannt. Besonders schädigend in dieser Phase ist der Einfluss von Drogen, Nikotin oder Alkohol. Häufig gebrauchte, bewährte neuronale Verbindungen werden durch schützende Myeline umhüllt und entwickeln sich zu regelrechten „Datenhighways“in der Gehirnstruktur. Auch nach der Pubertät wird das menschliche Gehirn von Ereignissen geprägt, so dass sich das ganze Leben lang noch Anpassungen oder Veränderungen vollziehen können.
3. Gehirnentwicklung und kognitive Leistung Die strukturellen Umbauten im Gehirn mit den vorübergehenden Trennungen neuronaler Verbindungen bewirken – verständlicherweise - eine Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit: Kurzfristig sind sogar zehnjährige Kinder älteren Kindern/Jugendlichen überlegen, z.B. was die Fähigkeit anbelangt, Emotionen aus Gesichtsausdrücken zu deuten. Außerdem wurden bei langjährigen Vergleichen von Schulleistungen der siebten bis neunten Jahrgangsstufen festgestellt, dass in diesem Zeitraum nicht viel dazugelernt wird. Aber auch eine gewisse Protesthaltung der Leistungsverweigerung sorgt für ein Absinken der Schulleistungen. Am leistungsfähigsten – vor allem zum Fremdsprachenlernen - wäre das kindliche Gehirn zu der Phase, wo die Myelinstränge noch weicher und flexibler sind. Also wesentlich früher, als der Sprachunterricht tatsächlich stattfindet.
4. Gehirnentwicklung und Geschlechtsidentität Der Entwicklung der Geschlechtsidentität spielt eine besondere Rolle in der Pubertät. Zunächst wird sie durch hormonelle Vorgänge beeinflusst. Aber auch psychische Bedingungen durch die Einstellung der Eltern den Geschlechtern gegenüber oder auch die sozio-kulturellen Bedingungen prägen die Entwicklung der Geschlechtsrollen. Für das gesunde Aufwachsen von Kindern ist es heute enorm wichtig, ihnen viele Möglichkeiten zu bieten, unterschiedliche Ausprägungen von männlichem oder weiblichem Verhalten zu erleben, damit sie sich eine von ihnen selbst gewählte, stimmige Geschlechtsidentität aufbauen können.
5. Geschlechtspezifische Unterschiede Es lassen sich folgende geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich der Gehirnstrukturen feststellen: Das weibliche Gehirn ist um ca. 100 g leichter als das männliche. Bei den Frauen werden beide Gehirnhälften gleichmäßiger genutzt, während bei Männern oft Aktivitäten der linken Gehirnhälfte - dies sind eher die systematischen, abstrakteren, kognitiven Prozesse - dominieren.
6. Die Bedeutung von Melatonin in der Gehirnentwicklung In der Pubertät wird das Schlafhormon Melatonin nur verzögert gebildet. Dadurch werden die Kids zu spät müde. Viele gehen erst nach Mitternacht ins Bett und können dennoch nicht einschlafen. Wenn morgens früh der Wecker klingelt, müssen sie dann unausgeschlafen zur Schule. Es wurde festgestellt, dass langes Aufbleiben abends sowie Fernseh- und Videokonsum/ Computerspiele zusätzlich die Melatoninproduktion hemmt. Dadurch kann sogar ein früheres Einsetzen der Pubertät bewirkt werden. Ein Entzug von künstlichem Licht sowie Stopp des Medienkonsums lässt die Melatoninproduktion wieder ansteigen.
Autorin: Silke Silberhorn, Dipl.-Soziologin, 11.10.2007
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